"Erste Hilfe" in Rechtsfragen

FAQ Erbrecht

Ja. Ein wirksames Testament kann in der Form des eigenhändigen handschriftlichen Testaments errichtet werden. Dazu muss der Testierende den Testamentstext von Anfang bis zum Ende handschriftlich schreiben und anschließend unterschreiben. Das Testament sollte noch mit Datum und Ort versehen werden. Eine notarielle Beurkundung des Testamentes ist zur Wirksamkeit nicht vorgeschrieben. Es ist jedoch zu empfehlen, sich hinsichtlich des Inhaltes eines Testamentes juristisch bei einem Rechtsanwalt beraten zu lassen.

Voraussetzung für die Errichtung einer letztwilligen Verfügung ist die Testierfähigkeit. Grundsätzlich kann ein Testament errichten wer das 16. Lebensjahr vollendet hat. Nicht testierfähig sind Personen mit krankhafter Störung der Geistestätigkeit, Geistesschwäche oder Bewusstseinsstörungen. In einem problematischen Fall sollte der behandelnde Facharzt oder Hausarzt hinzugezogen werden, um aus medizinischer Sicht die Testierfähigkeit abzuklären.

Ja. Die Ehegatten können durch eine letztwillige Verfügung als Alleinerben den Verein einsetzen. Durch diese Alleinerbeinsetzung werden gleichzeitig die beiden Söhne enterbt. Dies löst bei den beiden Kindern Pflichtteilsansprüche aus, die die Söhne dann gegen den Erben geltend machen können. Der Pflichtteilsanspruch beläuft sich auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils der beiden Kinder.

Nein. Nichteheliche Lebenspartner müssen jeder für sich ein Einzeltestament errichten. Es müssen 2 getrennte Urkunden hergestellt werden indem beispielsweise jeder Lebensgefährte den anderen zum Alleinerben einsetzt. Ehegatten können in einer Urkunde ein gemeinschaftliches Ehegattentestament errichtet, der eine Ehegatte schreibt das Testament, der andere unterschreibt es lediglich. Dieses Privileg gilt nicht für eine nichteheliche Lebensgemeinschaft.

Nein. Sofern ich als gesetzlicher oder testamentarischer Erbe in Betracht kommt, sieht das Erbrecht nicht vor, dass ich ausdrücklich die Erbschaft annehmen muss. Der Erbe hat jedoch die Möglichkeit innerhalb der Ausschlagungsfrist von 6 Wochen die ihm angefallene Erbschaft wieder auszuschlagen. Die Frist beginnt ab Kenntnis der Berufung zum Erben. Nach Ablauf der Ausschlagungsfrist bleibt man endgültig Erbe außer es liegen Anfechtungsgründe vor.

Nein. Eine Erbschaft kann nur insgesamt angenommen oder ausgeschlagen werden. Aufgrund der sogenannten Universalsukzession geht der gesamte Nachlass eines Erblassers mit allen Aktiva und Passiva auf den Erben über. Die Rosinen aus einem Nachlass kann man sich daher nicht herauspicken.

Ehegatten setzen sich gegenseitig in einem gemeinschaftlichen Ehegattentestament zu alleinigen Vollerben ein. Dies hat zur Folge, dass das Vermögen des erstversterbenden Ehegatten in das Vermögen des Überlebenden übergeht und zu einer einheitlichen Vermögensmasse führt. In der Verfügung für den zweiten Todesfall, also für den überlebenden Ehegatten, sollte dann bestimmt werden, was nach dem Tod des Überlebenden damit geschehen bzw. an wen das einheitliche Vermögen fließen soll. Das können beispielsweise die gemeinsamen Kinder dieses Ehepaares sein.

Grundsätzlich nein. Ein Erbschein wird in der Regel im Verkehr mit Banken, Behörden und Versicherungen nur dann benötigt, wenn ein sogenanntes handschriftliches eigenhändiges Testament vorliegt. Bei einem öffentlichen Testament, das notariell beurkundet ist, genügt es in der Regel dieses Testament mit dem Eröffnungsvermerk des zuständigen Nachlassgerichts vorzulegen. Damit kann man sich als Alleinerbe legitimieren. Lediglich in Zweifelsfällen ist bei einem notariell beurkundeten Testament noch ein zusätzlicher Erbschein erforderlich.

Nein. Durch die Erbeinsetzung ist zwar der Bruder Alleinerbe geworden, dem enterbten Kind stehen jedoch Pflichtteilsansprüche gegen den Erben, also hier den Bruder, zu. Der Pflichtteilsanspruch beläuft sich auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der gesetzliche Erbteil im Beispielsfall beträgt 1/2, da 2 Kinder auf Ableben des Elternteils vorhanden sind. Der Pflichtteil beträgt demnach 1/4. Er bezieht sich auf den zum Zeitpunkt des Todes der Mutter vorhandenen Nachlass und auf das Vermögen, das die Mutter in den letzten 10 Jahren vor ihrem Tod verschenkt hat.

Ja. Bei der Begünstigung im Lebensversicherungsvertrag handelt es sich um einen sogenannten Vertrag zu Gunsten Dritter auf den Todesfall. Der Erwerb und die Weitergabe von Vermögen durch derartige Verträge führen dazu, dass die vertragsgegenständlichen Leistungen nicht in den Nachlass des Erblassers fallen. Der Begünstigte erhält die Zuwendung, hier die Lebensversicherungssumme, außerhalb des Nachlasses durch Verfügung unter Lebenden. Eine derartige Bezugsberechtigung findet sich häufig in Lebensversicherungen oder auch in Spar- und Depotverträgen bzw. Konten bei einem Geldinstitut. Der oder die Erben haben kein Anspruch auf die Versicherungssumme.

Von den Erben des verstorbenen Freundes. Falls darüber keine Kenntnis besteht, kann über das zuständige Nachlassgericht der oder die Erben ermittelt werden. Die Darlehensrückforderungsansprüche werden dann gegen die Erben als sogenannte Erblasserschulden geltend gemacht. An die Stelle des Erblassers als bisherigen Schuldner tritt mit Eintritt des Erbfalles der oder die Erben. Sollte der Nachlass des Freundes jedoch insgesamt überschuldet sein, hat der Erbe die Möglichkeit durch Haftungsbeschränkungsmaßnahmen seine Haftung für Nachlassverbindlichkeiten auf den Nachlass zu beschränken, er haftet damit nicht mehr mit seinem persönlichen Vermögen, sondern nur noch mit dem vorhandenen Nachlass.

Ein Patiententestament ist eine schriftliche Anweisung des Patienten an seinen Arzt in einer bestimmten zukünftigen Situation, in welcher er selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist, bestimmte medizinische Maßnahmen, wie z.B. künstliche lebensverlängernde Maßnahmen zu ergreifen oder zu unterlassen.

Die Testamentsvollstreckung ist dort sinnvoll, wo der Erblasser befürchten muss, dass seine Erben sich im Erbfall nicht einigen können und die von ihm angeordnete Nachlassverteilung nicht reibungslos funktionieren wird. Auch in den Fällen, in denen einzelne Erben nicht die zur Verwaltung eines größeren Vermögens, wie etwa eines Unternehmens oder eine Unternehmensbeteiligung, erforderliche Sachkenntnis besitzt, ist die Anordnung einer Testamentsvollstreckung sinnvoll. Gleiches gilt bei dem Vorhandensein von minderjährigen Erben. Die Testamentsvollstreckung erfüllt eine friedenssichernde Funktion, der Testamentsvollstrecker übt als Sachverwalter die tatsächliche und rechtliche Herrschaft über den Nachlass aus.

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