"Erste Hilfe" in Rechtsfragen

FAQ Verkehrsrecht

Es steht immer das Wohl der Unfallbeteiligten im Vordergrund. Daher zuallererst nach Verletzten schauen und gegebenfalls Notarzt rufen. Sodann die Unfallstelle sichern: Warndreieck in 50 Metern Entfernung (auf Autobahnen 150 Meter) aufstellen und Warnweste überziehen. Auf dem Standstreifen auf Autobahnen niemals das Fahrzeug zur Fahrerseite verlassen oder die Fahrbahn betreten.

Selbst wenn Sie selbst nur geringfügig verletzt sind, suchen Sie spätestens am nächsten Tag einen Arzt auf und lassen sich Ihre Verletzungen dokumentieren. Dies erleichtert die Durchsetzung ihrer immateriellen Ansprüche (Stichwort: Schmerzensgeld). In häufigen Fällen tritt ein sogenanntes Halswirbelsäulenschleudertrauma (kurz: HWS) auf. Auch wenn die Kollisionsgeschwindigkeit nur ganz gering war, kann eine solche Verletzung entstehen. Diese muss dann vom Arzt zeitnah attestiert werden.

Die weit verbreitete Auffassung, ein mit seiner Adresse versehener Zettel an der Windschutzscheibe des beschädigten Fahrzeuges würde allein für sich ausreichen, ist leider falsch und strafrechtlich riskant. Wichtig ist, dass sie die im Strafgesetzbuch vorgesehene Wartezeit einhalten, also eine Zeit - dies ist von den jeweiligen Umständen abhängig - am Unfallort bereitstehen, um Angaben über ihre Person und den Unfallhergang zu tätigen. Diese wird in keinem Fall 15 Minuten unterschreiten. Sollte nach Ablauf dieser Zeit der Geschädigte nicht hinzugetreten sein, müssen Sie ihm (Stichwort: Zettel an Windschutzscheibe) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilen, dass Sie an dem Unfall beteiligt gewesen sind, Ihre Anschrift, Ihren Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort Ihres Fahrzeugs und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine Ihnen zumutbare Zeit zur Verfügung halten.

Dies ist oft dann nicht möglich, wenn die verunfallten Fahrzeuge den fließenden Verkehr unmöglich machen oder behindern. Daher unbedingt die Fahrzeuge in Unfallendstellung fotografieren (Stichwort: Handykamera) und mit Kreide die Stellungen der Räder auf dem Asphalt kennzeichnen, damit später ein Sachverständiger den Unfall nachkonstruieren kann.

Ganz wichtig ist: Ruhe bewahren. Dies ist Grundvoraussetzung für die gemeinsame Ausfüllung des Unfallberichtes, denn dieser steht im Mittelpunkt.

Auch wenn für Sie oder vielmehr für den Gegner auf den ersten Blick der Unfall ganz klar und eindeutig im Hinblick auf die Schuldfrage erscheint: Machen Sie niemals vor Ort ein Schuldanerkenntnis! Das Bekenntnis der Alleinschuld, am Unfallort abgegeben, kehrt die Beweislast dahin um, dass die Richtigkeit der gegnerischen Unfalldarstellung vermutet wird. Das verärgert nicht nur Ihre Krafthaftpflichtversicherung, sondern auch Ihren Anwalt, dem Sie es dadurch viel schwerer gemacht haben, Ihre Ansprüche, die entgegen Ihrer ersten Einschätzung sehr wohl existieren, durchzusetzen.

Das Formular "europäischer Unfallbericht“ sollte jeder Kraftzeugfahrer in seinem Handschuhfach bereit liegen haben. Erhältlich ist dieses im Internet oder auch bei Ihrer Krafthaftpflichtversicherung. Diesen Unfallbericht gibt es in allen Sprachen, die Fragen sind aber immer die gleichen. Wichtig sind immer Namen, Anschrift, Kennzeichen, Fahrzeugtyp, Versicherungen der Unfallbeteiligten, eine ausführliche Unfallskizze (Zeit und Ort), Fotos der Unfallstelle, Zeugen ermitteln und deren Aussage sowie Anschrift festhalten. Diesen Unfallbericht müssen dann alle Unfallbeteiligten unterschreiben.

Im Gesetz gibt es hierzu keine Pflicht- ebenso übrigens, wenn Sie als Beschuldigter aufs Revier geladen werden. Die Polizei zu dem Unfall hinzuzuziehen ist aber immer dann zu empfehlen, wenn Sie die Befürchtnis haben, dass Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen könnten, wenn schwere Schäden oder Verletzungen entstanden sind oder wenn Sie merken, dass eine ruhige Konversation mit dem Unfallgegner unmöglich erscheint.

Sie sind vertraglich gegenüber Ihrer Krafthaftpflichtversicherung verpflichtet, innerhalb einer Woche den Unfall zu melden, auch wenn Ihr Fahrzeug keinen Schaden aufweist oder Sie der Ansicht sind, am Unfall keinerlei Schuld zu tragen. Die Schadenmeldung und gleichzeitig auch die Anmeldung Ihrer Schadenpositionen bei der Versicherung des Unfallgegners sollte ebenfalls unverzüglich durch Sie, besser noch durch einen Rechtsanwalt Ihrer Wahl erfolgen.

Haben sie eine Verkehrsrechtschutzversicherung, spricht alles ausnahmslos dafür, einen Rechtsanwalt (am besten einen Fachanwalt/anwältin für Verkehrsrecht) aufzusuchen. Dieses Recht auf optimalen Beistand haben Sie erworben und sollten dieses auch in Anspruch nehmen. Und das von Anfang an, auch wenn es so scheint, als sei alles zwischen den Unfallbeteiligten unstreitig. Es entwickelt sich in den meisten Fällen anders als gedacht. Die Gebühren übernimmt Ihre Rechtschutzversicherung. Aber auch wenn Sie eine solche nicht abgeschlossen haben, lohnt sich der Weg zum Rechtsanwalt. Diesem sind alle Ihre Rechtsansprüche bekannt und es ist sein Handwerk, diese auch einzufordern. Die Kosten übernimmt immer in der Höhe die Gegenseite, in der sie auch haftet. Auf die restlichen Kosten verzichtet der eine Anwalt, der andere fordert sie bei Ihnen ein.

Grundsätzlich wird in materiellen und immateriellen Schaden unterschieden. Unter dem immateriellen Schaden versteht man den Schaden an einer Person, der in einem Schmerzensgeld seinen Ausdruck findet. Der materielle Schaden setzt sich zusammen aus: Reparaturkosten oder Abrechnung nach Totalschaden, Sachverständigenkosten, Auslagenpauschale, Mietwagenkosten, alle sonstigen Schäden, die durch den Unfall entstanden sind (Arztkosten, Medikamente, beschädigte Kleidung, Abschleppkosten, Haushaltshilfe etc.)

Auf deutschen Straßen gilt das deutsche Verkehrs- und Schadensrecht. Die Ihnen nach deutschem Recht zustehenden Rechtsposition sind aber von Land zu Land unterschiedlich. Ihr Rechtsanwalt klärt Sie gerne auf. In jedem Fall muss der Unfallschaden über die sogenannte "Grüne Karte" gemeldet werden. Eine solche erhalten Sie beim Abschluss Ihrer Krafthaftpflichtversicherung.

Fazit: Haben Sie immer eine Kamera, Kreide, die eigenen Versicherungsdaten und den europäischen Unfallbericht in Ihrem Fahrzeug zur Hand. Auch der Abschluss einer Verkehrsrechtschutzversicherung (Kosten im Jahr schon ab 60€, Achtung: Keine oder nur geringe Selbstbeteiligung vereinbaren) lohnt sich in jedem Fall.

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